Fernsehabend

Der Fernsehkonsum individualisiert sich. Immer mehr Kanäle, immer mehr Auswahl. Unterschiedliche Ansprüche in den unterschiedlichen Generationen, auch Nischen werden bedient. Gemeinsames vor-dem-Fernseher-sitzen stirbt aus. Das Fernsehen selbst aber nicht. Also sitzen Menschen alleine vor dem Fernseher. Familien mit mehreren Flimmerkisten sind an der Tagesordnung. Aber gemeinsam gucken ist viel spannender.

Bei Fussball ist das selbstverständlich. Besonders bei wichtigen Spielen sind die Kneipen mit den Großbildleinwänden gut besucht. Es geht aber auch ohne Fussball. Wir waren gestern Abend in der [Buchkantine](http://www.buchkantine.de) in Moabit. Dort hat man das kollektive Tatort-Gucken institutionalisiert. Jeden Sonntag Abend, pünktlich zur Tagesschau wird dort die Leinwand ausgefahren. Ab 20:15 gibt’s Mord und Totschlag.

Tatort in der Buchkantine ist ein bißchen wie Kino: Das Publikum (Kiezansässige) lacht an den richtigen Stellen, Getuschel. Nur die Spannung wirkt nicht richtig. Dazu ist die Bar-Atmosphäre (zwischendurch zischt mal der Milchschäumer) zu locker.

Tagsüber ist die Buchkantine ein Buchladen mit warmen Mahlzeiten. Hin und wieder gibt es Lesungen oder Tanzveranstaltungen.

Die Idee, mit wildfremden Leuten fernzusehen, kommt in der Buchkantine gut an. Aber Familien trifft man dort auch nicht…

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