Fläming-Skate
Am Sonntag waren wir skaten. Skaten, das ist die ehemalige Trendsportart, bei der man mit Rollschuhen durch die Gegend fährt. Nur sind das keine normalen Rollschuhe. Die Rollen sind nicht nebeneinander sondern hintereinander. Trend, eben.
Berlin, die sonst so trendbewusste Stadt, hat leider für Skater nicht so fürchterlich viel übrig. In den Sommermonaten kann man bei der [Skatenight](http://www.skate-night-berlin.de/) mit einer Horde gleichgesinnter immerhin einmal pro Woche durch die Innenstadt fahren. Ansonsten steht dem Skatevergnügen entweder der berüchtigte Berliner Verkehr oder in den Außenbezirken fieses Kopfsteinpflaster entgegen. Aber die Region schafft Abhilfe.

Anfang 2001 präsentierte sich das Projekt Fläming-Skate zum ersten Mal öffentlich. (Wenn man der [Webseite](http://www.flaeming-skate.de/) glauben darf wurde das Projekt, als Radweg getarnt, schon 1995 begonnen.) Heute gibt es 180 km Rad-/Skate- und Joggingwege im Landkreis Teltow-Fläming, 70 km südlich von Berlin. Es gibt 4 Rundkurse, zwischen 10 und fast 100 km. Die Werbung spricht von einer *vielfältigen touristischen Infrastruktur*.
Wir stiegen also Sonntag früh in den Zug (RE5 von Berlin Hauptbahnhof, ca. 45 min.) nach Jüterbog. Unsere Wahl war auf den Rundkurs 4 mit ca. 45km gefallen. Wir wollten es ja nicht gleich übertreiben. Das Wetter war der Jahreszeit entsprechend: kühl und ein wenig feucht. Die Wege waren glücklicherweise trocken genug.
Wer eine Strecke vom Kaliber Berlin Night-Skate erwartet hätte, wäre überrascht gewesen. In Berlin sind Steigungen und Gefälle auf den Strecken des Night-Skate selten. Anders im Fläming. Keine steilen Berge, keine Abgründe aber kontinuierliches Auf und Ab. Auf Skates merkt man die Steigungen deutlich mehr als auf dem Rad.
Die befürchtete *touristische Infrastruktur* war nicht zu sehen. An der Strecke gab es vereinzelt Biergärten und Imbisse. Diese waren fast alle geschlossen. Schließlich war die Saison zu Ende. Oktober, Herbst.
Die Strecke führt durch kleine bis winzige Ortschaften, vorbei an langsam verfallenden Fabrikgebäuden und vor allem über weite Felder. Keine Spur von Tourismus-Trubel. Man begegnet dennoch häufig anderen Skatern oder Radlern. Ruhig, aber nicht einsam.
(Zu meiner Überraschung benutzen einige der Skater Stöcke, wie sie auf beim Abfahrtsski benutzt werden. Ich habe heute gelernt, dass es sich um eine eigenständige Disziplin handelt: [Nordic Blading](http://de.wikipedia.org/wiki/Nordic_Blading). Das gleitende Äquivalent zum Nordic Walking haben ebenfalls die Finnen erfunden.)
Auffällig an der Strecke sind die zwischen verwirrend und bizarr schwankenden Hinweisschilder. Die eigentlichen Schilder sind vorbildlich. Nur die Platzierung lässt manchmal Zweifel aufkommen. Da liest man: **Starkes Gefälle! Hohe Geschwindigkeit** und es folgt ein sanfter Hügel. An anderen Stellen, wo solche Warnungen eher angebracht wären, fehlen diese vollständig. Bei der Einfahrt in die kleinen Ortschaften entlang der Strecken wird man von großen Schildern vor der Überquerung von Strassen gewarnt. Es kann aber bezweifelt werden, dass in der nächsten halben Stunde ein Auto diese Strasse passiert.
Dieser Grundtenor zieht sich übrigens durch die ganze Strecke. Es ist ruhig! Man gleitet gemütlich über freie Felder, durch Orte, die halb verlassen aussehen (aber einen Bahnhof haben). Nur in Jüterbog bemerkt man die Anstrengungen der Tourismusindustrie. Dort gibt es eine große Skate-Arena für die Speed-Skater, mehrere gastronomische Betriebe und eine (Achtung!) Motocross-Strecke. Letztere klingt, als hätte man eine Horde Rasenmäher aufeinander losgelassen und verwirrt beim Vorbeifahren etwas.
### Fazit
Ich war von der Tour positiv überrascht. Die Strecke wirkt wie natürlich in die Landschaft eingefügt, es herrscht keine Jahrmarkt-Stimmung. Viele der Menschen, die man auf der Stecke trifft, scheinen Einheimische zu sein. Anstatt eine Art Center-Parc für Skater zu bauen hat man anscheinend _mit_ der Region geplant.
Gratulation! Wir kommen wieder.
