Werkzeuge für den Polizeistaat

Ich bin gestern über die neue Gesichtserkennungs und Tagging-Funktion in Googles Picasa gestolpert. Ich fasziniert, gleichzeitig ist mir unheimlich. Für diejenigen, die das noch nicht kennen: Googles Online-Foto-Album kann alle eigenen, online gestellten Bilder nach Gesichtern durchsuchen. Die kann man dann mit Namen und Mail-Adresse (Google-Mail-Adressbuch) verknüpfen. Dabei werden ähnliche Gesichter automatisch gruppiert, man kann sie also gemeinsam einer Identität zuweisen.

Die Bedienung ist komfortabel, es gibt automatische Vervollständigung der Adressbucheinträge und Vorschläge über Ähnlichkeiten in schon getaggten Bildern.

Big deal, Foto-Taggen kann Facebook auch? Falsch!

  • Facebook benutzt (so weit ich weiss) keine Gesichtserkennung und die Markierung funktioniert nur mit von Hand gesetzten Quadraten. Es werden keine Bilderkennungsverfahren eingesetzt, es entsteht nicht mehr Information, als dass eine Person auf einem Bild ist. Man kann also nach Bildern mit bestimmten Personen (innerhalb von Facebook) suchen, mehr nicht.
  • Google stellt durch die Gesichtserkennung eine Verbindung zwischen einem Muster (dem Gesicht) und einer Identität (Name+Mail bzw. Adressbucheintrag) her. Diese Information lässt sich prinzipiell dafür nutzen, ausreichend getaggte Personen (am Besten in verschiedenen Posen) in allen öffentlich zugänglichen Bildern zu finden. Die Muster, die Google sammelt, wären bestimmt auch nützlich, um automatische Personenerkennung für Überwachungskameras zu realisieren.
  • Wenn man (zufällig) auf einem Bild ist (Google erkennt auch Bilder im Hintergrund und bietet diese zum Taggen an), muss man damit rechnen, getaggt zu werden. Man verliert die Kontrolle über die eigene Findbarkeit. (Auch wenn man die Personen, die zufällig im Hintergrund stehen nicht kennt und somit nicht taggt, sind diese möglicherweise von jemand anderem getaggt worden; es ist ein Leichtes für Google, die Bilder zu verknüpfen)

Google hat prinzipiell die Möglichkeit, die entstehenden Verknüpfungen zu nutzen, um auch alle Personen auf den Bildern zu erkennen, die Google sich im Web ercrawlt. Für mich stellt das eine neue Dimension des Privatspäreverlustes dar, weil selbst nicht-netzaffine Personen, die kein Material über sich selbst veröffentlichen, auf einmal im Netz per Bild auffindbar sind.

Ich glaube nicht, dass Google Böses mit den anfallenden, sehr wertvollen Daten vorhat. Aber alleine die Existenz dieser Daten birgt eine gewisses Risiko. Google sagt, dass es sich an geltendes Recht in den Staaten halten wird, in denen es operiert. Und wenn wir dann den nächsten Kinderschänderfall haben und “die Regierung” (oder der Volkszorn in Form der “Bild”) Google unter Druck setzt, Daten, die angeblich zur Verfolgung hilfreich sind, freizugeben…

Und jetzt? Alle Bekannten und Verwandten taggen? Weil das so praktisch ist. Oder lieber sein lassen? Die Verantwortung für seine Entscheidung muss jeder selber tragen.

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